Streckenantragen oder das Axiom vom Lineal WS 11/12: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 12. Januar 2012, 15:36 Uhr
Inhaltsverzeichnis |
Der Mittelpunkt einer Strecke
Wir wissen nun, dass eine offene Strecke die Menge aller Punkte ist, die zwischen
und
liegen. Vereinigt man diese Menge mit der Menge der beiden Endpunkte
und
, so hat man die gesamte Strecke
. Zu unseren grundlegenden Vorstellungen von Strecken gehört, dass jede Strecke
einen Mittelpunkt
hat.
wäre der Punkt auf
, der sowohl zu
als auch zu
denselben Abstand
hat.
Definition III.1: (Mittelpunkt einer Strecke)
- Wenn ein Punkt
der Strecke
...
- Wenn ein Punkt
...zu den Endpunkten A und B der Strecke AB ein und den selben Abstand hat, dann ist M Mittelpunkt der Strecke AB.
Satz III.1: (Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunkte einer Strecke)
- Jede Strecke hat genau einen Mittelpunkt.
Beweis der Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunktes einer Strecke
- Die Materie erscheint einsichtig und einfach. Übungsaufgabe?? Nichts ist einfach. Mit den bisher bereitgestellten axiomatischen Grundlagen unserer Geometrie wird es Ihnen nicht gelingen, etwa zu zeigen, dass jede Strecke einen Mittelpunkt besitzt.
Der Knackpunkt bezüglich des Nachweises der Existenz und Eindeutigkeit des Streckenmittelpunktes besteht darin, dass unsere derzeitige Theorie noch nicht genügend Punkte zu Verfügung stellt. Momentan muss unser Raum nicht mehr als 4 Punkte enthalten. Nach Axiom I.7 sind diese vier Punkte nicht komplanar, woraus folgt, dass je drei von ihnen nicht auf ein und derselben Geraden liegen. Damit könnte eine durch zwei verschiedene dieser vier Punkte eindeutig bestimmte Strecke gar keinen Mittelpunkt haben, denn dieser müsste entsprechend Definition III.1 bezüglich unserer zwei Endpunkte auf derselben Geraden liegen.
Es wird Zeit, die Anzahl Punkte unserer Theorie radikal zu erhöhen. Konzentrieren wir uns diesbezüglich zunächst auf einen Strahl . Nach unserer Vorstellung von Halbgeraden können wir je zwei Punkten von
genau eine nichtnegative reelle Zahl (den Abstand der beiden Punkte) zuordnen. Nach unseren Vorstellungen etwa von Zahlenstrahl gibt es auch zu jeder nicht negativen reellen Zahl d genau einen Punkt
auf
, der zu
gerade den Abstand
hat. Bei Konstruktionsaufgaben finden wir diese Idee im Zusammenhang mit dem Streckenantragen wieder.
Streckenantragen
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Das Axiom vom Lineal
Wir sind überzeugt davon, dass unsere Konstruktion entsprechend des vorangegangenen Abschnitts immer funktioniert und der so gewonnene zweite Endpunkt unserer konstruierten Strecke eindeutig bestimmt ist. Die Idee des Streckenantragens müssen wir jetzt jedoch axiomatisch fordern bzw. begründen.
Axiom III.1: (Axiom vom Lineal)
- Zu jeder nicht negativen reelen Zahl
gibt es auf jedem Strahl
genau einen Punkt, der zum Anfangspunkt von
den Abstand
hat.
- Zu jeder nicht negativen reelen Zahl
Zum Sprachgebrauch. Wir werden in kommenden Beweisen einzelne Beweisschritte häufig mit dem Axiom vom Lineal begründen müssen. Wir werden in einem solchen Fall ggf. auch mit der Existenz und Eindeutigkeit des Streckenantragens begründen. Letzteres ist schließlich nichts anderes als der Inhalt des Axioms vom Lineal.
Existenz und Eindeutigkeit des Mittelpunktes einer Strecke
Nachdem das Axiom vom Lineal formuliert wurde, wird es uns gelingen Satz III.1 zu beweisen.
Jetzt wirklich: Beweis von Satz III.1
noch einmal der Satz:
- Jede Strecke hat einen und nur einen Mittelpunkt.
Es sind also zwei Beweise zu führen:
- Existenzbeweis: Jede Strecke hat einen Mittelpunkt.
- Eindeutigkeitsbeweis: Jede Strecke hat nicht mehr als einen Mittelpunkt.
(Highlanderbeweis: Es kann nur einen geben.)
Der Existenzbeweis
- Es sei
eine Strecke
- Behauptung:
- Es gibt einen Punkt auf der Strecke
der zu den Endpunkten
und
jeweils ein und denselben Abstand hat.
- Behauptung:
- Die Behauptung noch mal:
.
- Die Behauptung noch mal:
Der Beweis:
Beweisschritt | Begründung | |
---|---|---|
(I) | ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
(II) | ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
(III) | ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
(IV) | ![]() ![]() |
Wegen III, Hilfssatz A und der Definition der Zwischenrelation |
(V) | ![]() |
Definition der Zwischenrelation ![]() Wegen II und III ( ![]() |
(VI) | ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
(VII) | ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
(VIII) | ![]() ![]() |
Tragen Sie hier die Begründung ein. |
Hilfssatz A:
- Voraussetzung:
- Es seien
und
zwei verschieden Punkte. Für den Punkt
mit
möge gelten:
- Es seien
- Behauptung:
.
- Voraussetzung:
Beweis von Hilfssatz A:
- Weil
gilt entweder
- Weil
-
oder
-
- (s. Definition Strahl
)
- Falls 1. gilt, gilt unsere Behauptung.
- Falls unsere Behauptung nicht gelten sollte, müsste 2. also
gelten.
- Nehmen wir also an, dass
zwischen
und
liegt:
- Wäre unsere Annahme wahr, müsste die folgende Gleichung gelten: .... (ergänzen Sie selbst!)
- Die Gültigkeit dieser Gleichung wäre jedoch ein Widerspruch zu .... (ergänzen Sie selbst!)
- Also ist unsere Annahme
zu verwerfen und es gilt
-
Der Eindeutigkeitsbeweis
Übungsaufgabe
- Hinweis: Nehmen Sie an, eine Strecke
hätte zwei Mittelpunkte
und
.